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Wolf Werner plädiert für solidere Umgangsformen im Fußball. Foto: Daniel Naupold

25.02.2013, 18:34 Uhr
Werner: "Sollten alle ehrlicher miteinander umgehen"

Düsseldorf (dpa) - Mit fast 71 Jahren ist Wolf Werner der älteste Bundesliga-Manager. Der Sportvorstand von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf macht sich im dpa-Gespräch für die älteren Trainer und Funktionsträger stark und plädiert, speziell bei Abwerbungen von Spielern, für solidere Umgangsformen.

Warum tut sich ein Mann mit fast 71 Jahren noch diesen Stressjob an?

Werner: "Gegenfrage. Warum wird mir immer die Frage nach dem Alter gestellt?"

Weil Sie aktuell der älteste Bundesliga-Manager sind.

Werner: "Meiner Meinung nach hat die berufliche Qualifikation nichts mit dem Alter zu tun. Das ist ja schon fast Diskriminierung. In den Managementbereichen der Wirtschaft gibt es Leute, die viel älter sind als ich. Ich bin aber nicht sauer, dass mir diese Frage immer wieder gestellt wird. Anscheinend ist man in der Bundesliga nicht gewohnt, dass man auch auf Erfahrung setzen kann. Schließlich steckt auch sehr viel Know-how dahinter. Und mit meiner Verpflichtung hat die Fortuna nichts falsch gemacht. Als ich 2007 hier anfing, waren Dinge wie Ruhe, Besinnlichkeit und Ausstrahlung von Fachwissen gefragt. Fortuna brauchte damals keinen, der einfach nur Geld ausgibt."

Wie lange dauert bei Ihnen ein durchschnittlicher Arbeitstag, und wie schalten Sie von diesem Tag ab?

Werner: "Einen durchschnittlichen Arbeitstag gibt es ja fast gar nicht. Es gibt sehr stressige Phasen, wenn was Neues ansteht, in den Transferperioden zum Beispiel. Zwischendurch hat man auch ruhigere Phasen, so wie jetzt. Da kann man das Handy auch mal ignorieren."

Was ist heute anders als vor 25 Jahren? Was nervt Sie beispielsweise heutzutage?

Werner: "Mich nervt eigentlich gar nichts. Aber es gibt bestimmte Dinge, die ich nicht gut finde."

Zum Beispiel?

Werner: "Ich finde es zum Beispiel nicht gut, dass wir in der Bundesliga relativ scheinheilig sind. Alle tun immer so, als würden sie sich an die Regularien halten. Dass ein Spieler erst ein halbes Jahr vor Ende seines Vertrages angesprochen werden darf. Kein Mensch hält sich dran."

Halten Sie sich dran?

Werner: "Wir sind ja gar nicht in der Lage, an Spieler aus der ersten Liga ranzugehen, die wir aus einem Vertrag rauskaufen könnten. Grundsätzlich mag mancher denken, dass ich ein angestaubtes Moralempfinden habe. Aber das werde ich auch weiterhin nicht brechen. Manche Geschichten sind im Übrigen auch medial begründet. Unlautere Geschichten wie derzeit die mit Robert Lewandowski. Das ist ja ein Possenspiel, das da von den Medien aufgezogen wurde."

Sagen Sie Ihren jüngeren Kollegen, dass sie sich an diesen Ehrenkodex halten sollen?

Werner: "Nein! Ich glaube, die würden mich auslachen. Sie würden zwar alle sagen, na ja, du hast ja recht. Aber im Grunde würden sie hinterher sagen, mein Gott, ist der naiv. Aber dieses Getue ist schon kurios. Dass man sich nach außen an alles hält, aber jeder hinter dem Rücken der anderen handelt. Und am Schluss will sich keiner einer Schuld bewusst sein. Wie jetzt mit Jupp Heynckes und Schalke. Da gefällt mir, bei allem Verständnis, diese mediale Vorgehensweise nicht. Der Fantasie wird damit freier Lauf gelassen, und keiner kann sich dagegen wehren. Das mag vielleicht ein Schuss naiv sein von mir, aber ich bin froh, dass ich mir das noch bewahrt habe. Kurzum: Es könnte ruhig etwas seriöser ablaufen. Wir sollten alle ehrlicher miteinander umgehen."

Ist die Bundesliga Ihrer Auffassung nach denn generell unehrlicher im Umgang geworden?

Werner: "Nein. Sie ist schon seriös. Aber es gibt Dinge, die unterlaufen werden. Ich will keinen Heiligenschein haben, aber ich will zumindest darauf hinweisen, dass man bei Abwerbungen ein bisschen offener und ehrlicher miteinander umgehen kann."

Sie bei der Fortuna, Heynckes bei den Bayern - was zeichnet die Älteren der Szene aus?

Werner: "Sie machen es anders, sie können es anders. Das ist auch ein Stück Altersweisheit. Die Personen, die Sie ansprechen, sind in der Regel ruhiger, sie lassen sich von der Hektik des Ganzen nicht anstecken. Und sie haben ihren eigenen Kopf, auch wenn sie nicht die einfachsten Menschen sind, diese Älteren. Da gibt es auch mal Stress. Aber wir beziehen es immer auf Inhalte und nicht auf Personen. Und wenn Schwierigkeiten auftreten, haben wir Älteren fast immer eine Lösung im Hinterkopf."

Würden Sie Jupp Heynckes denn gern bei Schalke sehen?

Werner: "Wenn der Jupp etwas nicht leiden kann, ist es eines: dass sich andere in sein Leben einmischen. Deswegen werde ich gewisse Dinge tunlichst unterlassen."

Sie bleiben noch eine weitere Spielzeit bei der Fortuna. Wohin soll der Weg des Vereins in dieser Zeit führen?

Werner: "Wir sind hier unisono einer Meinung: diese Siebenmeilenstiefel nicht mehr zu benutzen. Wir werden Kontinuität bewahren und nicht hingehen und Millioneneinkäufe tätigen. Aber wir haben schon vor, auch mal Spieler von oben nach unten zu holen. Und nicht, wie in den vergangenen Jahren, von unten nach oben. So sind wir sukzessive gewachsen. Wir werden uns finanziell nicht übernehmen, obwohl wir heute in diesem Bereich besser dastehen als noch vor ein paar Jahren."

Sehen Sie bei der Fortuna Möglichkeiten, etwas Ähnliches zu schaffen, wie es Ihr ehemaliger Verein Borussia Mönchengladbach geschafft hat?

Werner: "So etwas ist denkbar. Düsseldorf ist hungrig nach Fußball. Wir haben die Zuschauer im Boot. Alle sind begeistert, Trainer Norbert Meier lässt guten Fußball spielen. Und das kriegen wir mittlerweile recht gut hin. Mit hundert Prozent Leidenschaft und Überzeugung. Mit Begeisterung und Engagement. Fortuna wird sich, wenn alle vernünftig bleiben, weiter nach oben entwickeln."

Werden Sie Ihren Nachfolger empfehlen und einarbeiten dürfen?

Werner: "Ja. Man wird mit mir darüber sprechen. Aber wichtig ist: Hier kann kein Nachfolger her, dem es um viel Geld für sich persönlich geht. Wir wollen eines: dieses Werk, das uns bisher gut gelungen ist, fortführen. Und das können wir nur als Team schaffen, auch wenn es mal kontrovers hergeht. Wir brauchen auch eine Art Streitkultur."

Autor: dpa
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